P r e s s e m i t t e i l u n g e n

21.06.2010 | Cabrini-Haus, Cabrini-Schule, Prälat-Michael-Thaller-Schule und Kinderhaus der KJF in Offenstetten und Abensberg feierten:
50 Jahre sonderpädagogische Förderung in Einrichtungen der KJF im Landkreis Kelheim

Abensberg/Offenstetten: Der mutige Schritt von Schwester Rosa Kowarsch Anfang der 50-er Jahre Kinder mit Behinderungen zu unterrichten, hat eine Entwicklung in Gang gesetzt, die zu einer breiten Palette von Fördereinrichtungen der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Regensburg e.V. im Landkreis Kelheim geführt hat: Förderschulen, Tagesstätten, Frühförderung, Integrativer Kindergarten, Offene Behindertenhilfe und ein differenziertes System von Wohnformen sind in den Jahren entstanden. Weit über die Landkreisgrenzen hinaus haben die Förderangebote des Sonderpädagogischen Zentrums (SPZ) große Anerkennung gefunden.



Festredner: Prof. Dr. Otto Speck

„Menschen mit Behinderungen integrieren, mit Eltern und Familien zusammenarbeiten und sich vernetzen, das hat für die engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Offenstettener Einrichtungen immer eine große Rolle gespielt“, erklärt Edmund Klingshirn, Behindertenbeauftragter für den Landkreis Kelheim. Neben einer qualitativ hochwertigen Förderung sei die Begegnung von Menschen mit und ohne Behinderung und eine Suche nach kreativen Lösungen immer ein typisches Kennzeichen ihrer Arbeit gewesen. Sie hätten sich damit schon früh auf den Weg der Inklusion gemacht, gleichwohl die Umsetzung der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen eine große Herausforderung aber auch Chance bedeute. „Und wieder, wie auch vor 50 Jahren, bedarf es mutiger Personen, die sich dieser Herausforderung stellen“, so Klingshirn weiter. Er ist sich sicher, dass ein inklusives Gemeinwesen, in dem Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen aktiv und eigenverantwortlich in der Mitte der Gesellschaft teilhaben können, der gesamten gesellschaftlichen Entwicklung zu Gute kommen wird.


Gemeinsam handeln, erfolgreich fördern

Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums stellten Landrat Dr. Hubert Faltermeier, Bürgermeister Dr. Uwe Brandl und Regierungsschuldirektor Rainer Fauser die wegweisenden pädagogischen Leistungen der vergangenen 50 Jahre heraus. Das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus gratulierte zur Feier voll Anerkennung und Respekt zu 50 Jahre sonderpädagogischer Arbeit in der Cabrinischule und Prälat-Michael-Thaller-Schule.

KJF-Direktor Michael Eibl dankte den MitarbeiterInnen aller KJF-Einrichtungen im Landkreis für ihr wertvolles Engagement. „Die Selbstverständlichkeit, in der hier Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam leben, lernen und arbeiten, macht mich zuversichtlich für die Zukunft. Gemeinsam handeln bricht Schranken und verbindet – das ist auch das Motto für unser neues Integrations- und Begegnungszentrum Cabrizio hier in Offenstetten. Ich danke ihnen und den vielen Menschen hier im Landkreis, die dies lebendig werden lassen.“


Von der Anstaltssonderschule über das Sonderpädagogische Zentrum bis hin zu differenzierten Förderangeboten für Menschen mit Behinderungen in der Region

Im Jahre 1946 wird das Cabriniheim als Säuglings- und Kleinkinderheim gegründet. Daraus entwickelt sich Mitte der 50-er Jahre ein Heim für Kinder mit Behinderung. Sr. Oberin Angelika Maria Putzky schreibt 1959 in der Schwesternchronik: „Es hatte sich aus den Zeitumständen die Notwendigkeit ergeben, unseren noch bildungsfähigen schwachsinnigen Anstaltskindern einen ihren Fähigkeiten angemessenen Unterricht erteilen zu lassen. (…) Die Eröffnung der Anstaltssonderschule in Offenstetten fand am 1. Oktober 1959 mit zehn Knaben und vier Mädchen statt.“ Nach einem Jahr schreibt sie weiter: „Es war viel Plage mit diesen Kindern, aber etwas blieb doch hängen.“ Aus ihren Berichten geht hervor, wie sehr die Förderung der Kulturtechniken im Mittelpunkt stand – das waren die Anfänge einer neu zu entwickelnden Sonderpädagogik.

Im Oktober 1967 beginnt die KJF mit dem Bau eines eigenen Schulgebäudes. Anfang der 70-ger Jahre verfasst der Deutsche Bildungsrat Empfehlungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen. In Offenstetten entstehen mit neuen Themen neue Aufgaben und Konzepte: Die Förderung von SchülerInnen mit einer geistigen Behinderung in Werkklassen, eine Tagesstätte für die zunehmende Anzahl an SchülerInnen sind Beispiele hierfür. Ab 1973 werden intensiv behinderte Kinder beschult. Bis dahin galten sie als „bildungsunfähig“. Der Begriff der „Bildungsunfähigkeit“ wird in Bayern offiziell 1975 aufgegeben. Weitere große Veränderungen folgen: 1974 etabliert sich die Pädagogische Frühförderung. 1975 wird die Tagesstätte verwirklicht. Im Oktober 1977 beziehen SchülerInnen und Lehrkräfte die neue Schule mit SVE-Gruppen und Turnhalle. Bereits in dieser Zeit werden die Anfänge für eine gemeinsame Förderung von Kindern mit und ohne Behinderung gelegt. Aus wöchentlichen Begegnungen von Kindern der SVE und dem Pfarrkindergarten Offenstetten entwickelt sich 10 Jahre später der integrative Kindergarten: das Kinderhaus der KJF in Abensberg.

1976 gründet sich der Arbeitskreis Öffentlichkeitsarbeit, der in den nächsten 20 Jahren vorbildliche Integrationsarbeit leistet und in den 90-er Jahren mit Positionen aufwartet, die 12 Jahre später auch die UN in der Behindertenrechtskonvention niederschreibt.

1980 führt die KJF die Bezeichnung „Sonderpädagogisches Zentrum Offenstetten“ für die beiden Schulen und das Cabriniheim ein. Die Schulen bekommen ihre Namen: Aus der Lernbehindertenschule wird die Prälat-Michael-Thaller-Schule, heute ein Förderzentrum für Kinder und Jugendliche mit einem erhöhten sonderpädagogischen Förderbedarf in den Bereichen Lernen, Sprache und sozial-emotionale Entwicklung in Abensberg. Die Geistigbehindertenschule entwickelt sich zu einem Förderzentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung, die heutige Cabrinischule.

Die Frühförderung wird selbstständig und 1990 durch die Offene Behindertenhilfe ergänzt. Hinzu kommt 2007 das Kinderhaus. „Magdalena - von Mensch zu Mensch“ umfasst heute die Teileinrichtungen: Interdisziplinäre Frühförderung, Offene Behindertenhilfe, Integratives Kinderhaus.


Text: Christine Allgeyer



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