P r e s s e m i t t e i l u n g e n

24.06.2003 | Bischöfliches Ordinariat zieht Konsequenzen aus den Vorfällen in Georgenberg: Experte der Kath. Juge

Sexueller Missbrauch hinterlässt tiefe Spuren bei betroffenen Kindern und Eltern, die ihr Kind - in dem Glauben, es sei in guten Händen - nicht schützen konnten. Auch wenn die Kirche nicht ungeschehen machen kann, was passiert ist, und dies zutiefst bedauert, wünscht sie um so mehr jede erdenkliche Hilfe für die Betroffenen. Aus diesem Grund hat Generalvikar Prälat Dr. Wilhelm Gegenfurtner Dr. Gerhard Leinhofer - Diplom-Psychologe, zuständig für die Koordination aller Erziehungsberatungsstellen der Kath. Jugendfürsorge der Diözese Regensburg - mit dem Aufbau und der Betreuung eines therapeutischen Netzwerks bei sexuellem Missbrauch beauftragt.



Der Auftaktveranstaltung "Missbrauch an Kindern", zu der das Kath. Bildungswerk im Landkreis Neustadt/ WN e.V. am 24. Juni in der Pfarrgemeinde Neukirchen einlädt, sollen weitere Informationsveranstaltungen und Hilfsangebote folgen.

Sexueller Missbrauch ist in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Tabu. Aufklärung und umfassende Informationen sind notwendig, um sexuellen Übergriffen vorzubeugen und Opfern rasch fachliche Hilfe zukommen zu lassen. Diese Konsequenz zog Generalvikar Dr. Wilhelm Gegenfurtner aus einem Gespräch mit betroffenen Eltern und den pfarrlichen Gremien in Neukirchen, das er im Februar in Begleitung von Dr. Gerhard Leinhofer sowie des Personalreferenten und des Bischöflichen Justitiars geführt hatte. Dr. Leinhofer ist offiziell als Ratgeber für das Ordinariat zum Thema "Sexueller Missbrauch" bestellt. Sein Auftrag: die verschiedenen therapeutischen Hilfsangebote in der Region Weiden vernetzen und verstärkt den Kontakt zur Öffentlichkeit suchen.
Nicht wegsehen, sondern da sein: ein Netzwerk gegen das Tabu

"Ich wünsche mir, dass die Kinder die Hilfe erfahren, die sie brauchen; dass die Eltern in ihrer Wut und Enttäuschung ernst genommen werden. Dass wir alle, auch die Kirche, lernen, da zu sein, zuzuhören und anzunehmen, was da passiert ist, auch wenn es noch so schwer und unfassbar ist." Geschulte Psychologen, Ärzte, Seelsorger und Psychotherapeuten könnten wesentlich zur seelischen Aufarbeitung von Traumata beitragen, so Dr. Gerhard Leinhofer. Das Netzwerk soll aber nicht nur in akuten Fällen greifen, wünscht sich der Diplom-Psychologe und Psychotherapeut: "Wir müssen uns noch viel mehr der Prävention widmen, das heißt aufklären und informieren, das Thema aus der Tabuzone holen. Das ist ein wichtiger Schritt, um sexuellen Übergriffen die Grundlage zu entziehen."


Weitere Informationen

Das Netzwerk steht nicht nur Privatpersonen zur Verfügung, sondern auch allen öffentlichen Institutionen. Zur weiteren Information stellt die Kath. Jugendfürsorge den "Regensburger Handlungsleitfaden bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch" sowie eine Übersicht aller Netzwerk-Partner/innen im Raum Weiden zur Verfügung. Unter www.kjf-regensburg.de findet sich ein Gespräch mit Diplom-Psychologin Dr. Birgit Böhm, Leiterin der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle Kelheim, zum Thema "Sexueller Missbrauch an Kindern: Vorbeugen - Erkennen - Helfen".




Text: Isolde Hilt


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